UK Gebärden Münsterland

Material

Sprachunterstützende Gebärden in einer Kita einführen

Es ist sinnvoll und effektiv, in einer Kita unterstützend zum normalen Sprachangebot und zur Sprachförderung „Sprachunterstützende Gebärden“ einzuführen.

Klar ist:

Kinder lernen auch ohne Sprachunterstützende Gebärden sprechen und Sprachen.

ABER

Durch die Sprachunterstützenden Gebärden wird das Lernen von Sprechen und Sprache erheblich erleichtert:

  • Kinder haben schneller Kommunikationserfolg, der zu weiteren Sprechversuchen ermuntert
  • Kinder bekommen ein besseres korrektives Feedback, wenn Gebärden eingesetzt werden
  • zur normalen Sprachentwicklung gehört der Einsatz von Gestik dazu, besonders das Zeigen
  • 50-80% der alltäglichen Kommunikation sind nonverbal (Mimik, Gestik, Stimme…)

Bausteine für eine erfolgreiche Einführung von Sprachunterstützenden Gebärden in Ihrer Kita

A) Überzeugen und Schulen des Teams

Am schnellsten gelingt das mit einem Seminar sowie guten Argumenten und Informationen.

Ein Kita-Ziel sollte es sein, Kindern gute sprachliche Kompetenzen (z.B. Wortschatz, Frage – und Erzählmöglichkeiten, Lese- und Schreibfähigkeiten) beizubringen, damit sie gut im Leben und mit anderen Menschen zurechtkommen.

Die Mitarbeiter*innen sollten informiert und überzeugt werden, dass es für bestimmte Kinder normal, hilfreich und sinnvoll ist, in bestimmten Situationen die Gebärden unterstützend für mehr Kommunikationserfolg einzusetzen,

B) Erklären und Schulen der Kinder

        Vorschläge:

  • Erzählen Sie den Kindern, dass man auch mit den Händen sprechen kann
  • Zeigen Sie zum Beispiel die Gebärde für Auto, Buch, Ball, Hallo
  • Überlegen Sie zusammen, in welchen Alltags-Situationen eine Gebärde nützlich ist (wenn es laut ist, wenn jemand die andere Sprache nicht versteht, wenn einer schlecht hört, beim Fussball, auf der Baustelle …)
  • Lassen Sie die Kinder erraten, was eine Gebärde bedeuten kann (gute Beispiele: Stopp, ich, du, leise, laut, Pferd)
  • Begleiten Sie Lieder oder Fingerspiele mit Gebärden begleiten
  • Erklären Sie, dass Sprechen lernen und eine Sprache lernen ganz schön schwierig ist und Hände da helfen können
  • Vertrauen Sie auf die Kinder. Sie verstehen
    • dass man manchmal noch zu klein zum Sprechen ist,
    • dass man manchmal zuhause eine andere Sprache gelernt hat
    • dass man manchmal nur langsam lernen kann– da kann man nichts dafür
    • dass man manchmal länger nicht so gut hört (bei Schnupfen oder Ohrenschmerzen)
    • und dass Sprechen lernen dann einfach schwieriger sein kann
  • Verbildlichen Sie die Gebärden. Holen Sie z.B. aus einem Stoffbeutel verschiedene Gegenstände heraus (z.B. Apfel, Löffel, Haus, Auto, Bus, Ei, Puppe, Ball) und zeigen Sie dann die entsprechende Gebärde
  • Machen Sie ein Ratespiel: legen Sie einige Gegenstände in den Stuhlkreis, machen eine Gebärde und lassen die Kinder raten, was das wohl heißt.           
C)  Wie überzeuge ich Eltern, eine Zeitlang Sprachunterstützende Gebärden zur Sprachentwicklungsförderung einzusetzen?
  • Erklären Sie, dass es gemeinsames Ziel von Eltern und Pädagog*innen ist, Kindern liebevoll und engagiert eine Sprache und Sprechen beizubringen.
  • Weisen Sie auf darauf hin, wie man als gutes Sprachvorbild hilfreich sein kann, indem man deutlich und Kind angemessen (gut betont, emotional, leicht verlangsamt) spricht. Begleiten Sie das Sprechen mit Mimik, Körpersprache, Lautierungen (Oh!, Ih! Oje…) und Gestik. Kinder lernen viel durch Nachahmungslernen.
  • Setzen Sie auf die Homepage der Kita eine Seite zur Sprachförderung in einfacher, guter Sprache (gute Ansprache, Aussprache, Aufträge, Vorlesen, Lieder, Fingerspiele, Spiele): ein Teil der Förderung (wie ein Puzzlestein) sind die ‚Sprachunterstützenden Gebärden‘
  • Erklären Sie, mit welchem Sinn Sie die Gebärden einsetzen: sie holen Kinder auf unterschiedlichem Niveau ab, sie schaffen mehr Gerechtigkeit, bauen Brücken bei Mehrsprachigkeit und unterstützen Sprachlernen
  • Nehmen Sie die Angst, dass Kinder dann nicht sprechen lernen: Forschung hat gezeigt, dass Gestik und einige Gebärden zum normalen Sprechenlernen dazugehören. Lautsprache ist die normale und effektivste Verständigung. Es kann sein, dass Kinder ein paar Tage ausprobieren nur mit Händen zu sprechen, dann merken sie, dass das nicht reicht. 
  • Nehmen Sie die Angst, dass die Kinder aufhören zu sprechen. Das probieren Kinder vielleicht einmal kurz aus und merken dann schnell, dass Sprechen am effektivsten ist. 
  • Hängen Sie ein Plakat mit Argumenten für ‚Sprachunterstützende Gebärden‘ aus (Beispiel: „Um Kinder beim hohen Ziel Sprechen und Sprache lernen zu unterstützen, bieten wir ihnen sprachunterstützende Gebärden an (je nach Kind und Situation). Kinder kommunizieren von Natur aus mit Händen, Mund und Stimme, weil sie nicht von Geburt an gut artikulieren können.  Dort holen wir Kinder ab.“)
  • Stellen Sie auf Elternabenden vielfältige Sprachförderung vor und verdeutlichen Sie, dass Gebärden ein unterstützender Teil sind.
  • Bringen Sie ein paar nützliche Gebärden für den Familienalltag bei – und machen Sie den Vorteil deutlich, dass man dann nicht dauernd ‚meckern‘ oder man kann etwas zeigen, ohne akustisch zu stören (Zum Beispiel:  ‚leise‘, ‚warte‘, ‚gleich‘, ‚Toilette‘, ’nein‘.)
  • Verweisen Sie auf die Alltagserfahrung, dass wir den Körper oft unterstützend einsetzen: wir zeigen „Stopp!“ oder Zustimmung bzw. Ablehnung durch Daumen rauf/runter, wir schimpfen mit dem Zeigefinger, schütteln verneinend mit dem Kopf oder nicken zustimmend… 50-80 % der Kommunikation sind nonverbal!
  • Gehen Sie auf die fachlichen Argumente ein:
    • es gibt viele Gründe, weshalb Kinder schwerer Sprache lernen, sprechen und verstehen (erbliche Sprachschwäche, Behinderung, häufiger Schnupfen, wenig Sprachangebot, Mehrsprachigkeit, Schwerhörigkeit (Polypen), unbekannte Ursachen …)
    • sprechen lernen und eine Sprache lernen ist schwer. Darum kommt das Sprechen bei der kindlichen Entwicklung erst nach Kopf halten, gezielt gucken, essen lernen, greifen lernen, sitzen, krabbeln, stehen
    • für die geistige Entwicklung ist es dann gut, wenn als Übergang und zur Unterstützung Gebärden eingesetzt werden. Sprache und geistige Entwicklung hängen wie Zahnräder zusammen.
    • es wäre unfair langsam lernenden Kindern gegenüber, ihnen die Gebärden vorzuenthalten, wenn sie damit als Übergang erstmal Kommunikationserfolg (Verstehen und Verstanden werden) haben könnten. Jeder Kommunikationserfolg macht Mut für neue Kommunikationsversuche!!!
    • Kinder bekommen dann viele Wörter geschenkt
    • wir schenken Kindern jeden Tag Vorschussvertrauen, dass sie Sprache (und vieles andere) lernen werden
    • Sprachinput kommt vor Sprachoutput (bei allen Menschen)
D) Gebärden in der Kita lebendig halten
  • Idee: hängen Sie immer eine Gebärde des Monats aus: Wort, Gebärdenmännchen und Symbol
  • es ist gut, wenn 2 Mitarbeitende sich für das Lebendighalten der Gebärden verantwortlich fühlen und bei bestimmten (regelmäßig) Besprechungen 2-5 Gebärden mit allen wiederholen
  • alle neuen Mitarbeitenden sollten möglichst bald geschult werden

Hinweise zu Mehrsprachigkeit

Jede Sprache ist gleich wertvoll.

Es ist normal (weltweit gesehen) mehrsprachig aufzuwachsen.

Es ist dann normal, dass man nicht in jeder Sprache alles sagen kann.

Gebärden können bei mehreren Sprachen eine Brücke sein.

Es ist normal, dass man eine Zeit lang die Regeln einer Sprache auf die andere überträgt.

Zusatzmaterial

UK-Gebärden übersetzt

Für die Arbeit in mehrsprachigen Familien finden Sie in diesen Dokumenten die nachgezeichneten UK-Gebärden mir ihrer jeweiligen Übersetzung in die Sprachen Englisch, Polnisch, Arabisch und Türkisch.

Beachten Sie bitte, dass diese Übersetzungen ehrenamtlich angefertigt wurden und als Hilfestellung dienen sollen – sollten Sie Fehler entdecken, teilen Sie uns dies gerne mit.

Eine mehrsprachige Version der App ist in Arbeit!